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Hochschulstudenten treten mit eigenem Wagen gegen 77 Mannschaften aus aller Welt an
Stuttgart. 78 Teams, acht Disziplinen, ein Ziel: Vom 5. bis zum 9. August steht der Hockenheimring (Baden-Württemberg) erneut im Zeichen der Formula Student Germany (FSG). Studenten aus der ganzen Welt treten hier in selbst konstruierten und gebauten Rennwagen gegeneinander an, um den Titel Formula Student Germany Champion zu holen. Mit dabei: Das Rennteam der Universität Stuttgart. „Wir finden es großartig, dass eine Mannschaft aus unserer Region bei diesem renommierten Wettbewerb antritt“, sagt Uwe Kühnle, Stuttgarter Niederlassungsleiter der Brunel GmbH, einem der führenden deutschen Ingenieurdienstleister. Brunel ist seit 2006 Sponsor der FSG und unterstützt dieses Jahr zum dritten Mal das `Rennteam Uni Stuttgart`. „Die FSG wird vom VDI, dem Verband Deutscher Ingenieure, ausgerichtet und ist eine hervorragende Praxisübung für die Nachwuchs-Ingenieure“, begründet Kühnle das Engagement.
Die Mannschaft aus Stuttgart hat sich zum Ziel gesetzt, den Gesamtsieg zu holen, um die schmerzliche Erfahrung aus dem vergangenen Jahr wett zu machen: Auf dem Weg zu einem Rekordsieg riss 600 Meter vor dem Ziel die Antriebskette und die Stuttgarter landeten auf Rang 23. Die Voraussetzungen für den amtierenden Formula Student Weltmeister sind gut: Mitte Juli gewann das Team die Formula Student in Silverstone. Die erste große Aufgabe der FSG haben die Studenten bereits gemeistert: Die Anmeldung zu dem Event selbst. Hier mussten die Teams schon rund acht Monate vor dem Startschuss ihre Schnelligkeit demonstrieren, denn nur acht Sekunden nachdem die Online-Registrierung für das Rennen freigeschaltet wurde, waren die 78 Startplätze vergeben.
Die Disziplinen, die das 37-köpfige Rennteam Uni Stuttgart absolvieren muss, verlangen den Studenten neben technischem Fachwissen und handwerklichem Geschick auch Disziplin sowie Ausdauer ab. In den drei so genannten statischen Disziplinen müssen die Konstruktion des Wagens, der Kostenplan sowie ein Businessplan für einen serienmäßigen Bau ihres Boliden präsentiert werden. „Eine sinnvolle Ergänzung zu den rein praktischen Disziplinen“, lobt Niederlassungsleiter Kühnle, „denn dass es in der Wirtschaft nicht nur um die bloße Technik geht sondern auch um Budgets und Marketingstrategien, wird im Ingenieurstudium häufig vernachlässigt.“ Der Schwerpunkt der FSG liegt dennoch auf den fünf technischen Disziplinen: Auf der Rennstrecke müssen die Wagen ihre Schnelligkeit, Ausdauer und Sparsamkeit ebenso unter Beweis stellen, wie das Fahrverhalten auf unterschiedlichen Streckenverläufen.
Seit rund einem Jahr planen und tüfteln die Stuttgarter Studenten der Fahrzeug- und Motorentechnik, des Maschinenbaus, der Physik, Werkstoffwissenschaften und Betriebswirtschaftslehre an ihrem F0711-4. „Das F steht für `Formel`, 0711 ist die Vorwahl Stuttgarts und die Vier ist die laufende Nummer unseres Boliden“, erklärt Presseleiter Moritz Baber. Zwar ist der Wagen eine Weiterentwicklung der bisherigen Fahrzeuge, der erstmalige Einsatz eines Kohlefaser-Monocoques stellte die Studenten jedoch vor eine immense Herausforderung: „Es bestand keinerlei Erfahrung im Team mit dieser in der Formel-1 gängigen geschlossenen, tragenden Struktur eines Rennwagens - weder hinsichtlich der Fertigung der Carbon-Strukturen noch der Konstruktion. Die Schwierigkeit bestand unter anderem darin, dass sich an Kohlefaser im Gegensatz zum Stahlrahmen nichts im Nachhinein anschweißen lässt.“ Das neue Monocoque zählt neben Verbesserungen in den Bereichen Zuverlässigkeit, Ergonomie, Fahrverhalten und Spritverbrauch zu den wesentlichen Merkmalen, die den F0711-4 sowohl von seinen Vorgängermodellen als auch von den Mitbewerbern unterscheiden.
Wie viel Zeit die Studenten pro Woche für das Projekt aufwenden, hängt laut Baber maßgeblich von ihrem Aufgabengebiet ab: „Zwar sind die Übergänge fließend, grundsätzlich aber haben wir die Arbeitspakete untereinander aufgeteilt. Da der Aufwand je nach Bereich und Projektphase zwischen fünf und 50 Stunden pro Woche liegt, unterstützen wir einander natürlich.“ Hinter dem immensen Pensum stecken unterschiedliche Motive. Allen voran nennt Baber die wichtige fachliche Erfahrung sowie die damit einhergehenden beruflichen Chancen: „Das Projekt motiviert unheimlich und durch den enormen Zeitaufwand, den wir investieren, haben wir rasant an Fachwissen hinzugewonnen. Das ist in dieser Form in einem rein theoretischen Studium und selbst während eines Praktikums kaum zu erreichen.“ Zudem betont er die Notwendigkeit, im Team zu arbeiten und sich optimal aufeinander abzustimmen, um ein stimmiges Gesamtpaket zu erreichen - wichtige Erfahrungen in den Bereichen Softskills und Projektmanagement, wie Uwe Kühnle von Brunel betont: „Teamwork sowie zeitlich begrenzte und inhaltlich abgesteckte Projektarbeit bestimmen heutzutage den Arbeitsalltag von Ingenieuren.“
Der Wettbewerb
Die Studenten technischer Fachrichtungen demonstrieren außergewöhnliches Engagement und Fachwissen bei der Entwicklung des Prototyps eines einsitzigen Formelrennwagens. Im Auftrag eines fiktiven Unternehmens entwickeln sie einen Rennwagen, der für eine möglichst günstige Serienproduktion ausgelegt ist. Nicht nur der Bau des Wagens ist entscheidend für die Jury aus Experten der Motorsport-, Automobil- und Zulieferindustrie. Das Gesamtpaket bestehend aus Konstruktion, Design, Fahreigenschaften, Rennperformance sowie Kostenplanerstellung und Verkaufspräsentation spielt eine wichtige Rolle bei der Bewertung. Im Rahmen dieser Projektarbeit sammeln die Nachwuchsingenieure praktische Erfahrungen und müssen in Teamarbeit komplexe Aufgaben unter betriebswirtschaftlichen Maßgaben auf internationaler Ebene lösen.