Minority Report wird Realität

„Minority Report" wird Realität: Verbrechensvorhersage wie im Film

Washington, D.C., im Jahr 2080: Mithilfe neuester Technologie werden Verbrecher verhaftet, noch bevor sie eine Tat begangen haben. So beschreibt es zumindest Philip Kindred Dick in seiner Kurzgeschichte "Minority Report", die 1956 erstmals in der Science-Fiction-Zeitschrift Fantastic Universe erschien.

Auch im gleichnamigen Hollywood-Film von Steven Spielberg aus dem Jahr 2002 setzt die Washingtoner Polizei sogenannte „Precogs“ ein, die in ihren Visionen Mord und Totschlag voraussehen. Zehn Jahre nach der Premiere des Science-Fiction-Streifens kommt die Verbrechensvorhersage heute schon in der Realität zum Einsatz: Beim „Predictive Policing“ werden Daten aus Ermittlungen, Überwachungskameras und Facebook-Profilen gespeichert und miteinander verknüpft. Spezielle Software-Lösungen, etwa von IBM oder Microsoft, identifizieren auf dieser Basis Muster, die auf künftige Straftaten schließen lassen. Das in Los Angeles getestete System des Start-ups „PredPol“ kann angeblich doppelt so viele Einbrüche vorhersehen wie erfahrene Polizisten. Durch die Analyse von Polizeiberichten und Kriminalstudien verringerte sich die Zahl der Einbrüche in einem Risikobezirk um 25 Prozent, was jedoch ebenso auf die verstärkte Polizeipräsenz zurückzuführen sein könnte. „Trapwire“, ein durch WikiLeaks bekannt gewordenes „Pre-Attack Terrorist Detecting System“, arbeitet nach einem ähnlichen Prinzip und kommt schon seit Jahren in den USA und in London zum Einsatz. Durch Video-Analysen sollen Einzeltäter aufgespürt und Anschläge verhindert werden. Beide Systeme basieren im Gegensatz zu den mutierten Film-Cops mit hellseherischen Fähigkeiten allerdings auf reiner Statistik. In Deutschland bleibt das Thema aufgrund der verfassungswidrigen Vorratsdatenspeicherung jedoch vorerst Fiktion.


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