Vampirtintenfisch

Faszination Ozean: Phänomenen auf der Spur

Mehr als zwei Drittel der Erdoberfläche sind von Meeren bedeckt. Egal in welchen Breitengraden - das Phänomen Ozean übt seit jeher große Faszination auf den Menschen aus. In diesem Artikel stellen wir Ihnen vier Naturphänomene zwischen Wasseroberfläche und Meeresboden vor: lebendig, gefährlich, wissenschaftlich und tiefgründig.

Vampyroteuthis Infernalis

Der Vampirtintenfisch „aus der Hölle“, so die lateinische Übersetzung, stellt Tiefseeforscher und Chemiker bis heute vor Rätsel. Einzigartig sind seine Lichtorgane an den acht Armenden, die wie Taschenlampen an- und ausgeschaltet werden können und als Warnsignal dienen. Doch der quallenartige Kopffüßer kann noch mehr: Wird er von Fressfeinden angegriffen, stößt er mittels zweier drüsenartiger Körperöffnungen eine klebrige Lichtwolke aus, die einerseits den Angreifer umhüllt und andererseits die Aufmerksamkeit anderer Feinde auf den leuchtenden Gegner lenkt. Welche chemischen Prozesse genau hinter der zähflüssigen Lichtwolke stehen, ist noch unerforscht. Obwohl er ein eher träger Zeitgenosse ist, kann er sehr schnell fliehen. Mit echtem Vampirverhalten hat der Tiefseebewohner übrigens nichts zu tun: Seinen Namen erhielt der 1903 erstmals wissenschaftlich beschriebene Kopffüßer aufgrund der Häute zwischen seinen Armen, die an einen Vampirumhang erinnern. Taucher können diesem Exemplar nicht begegnen: Das nur 30 Zentimeter große Tier lebt ab 600 Meter Wassertiefe im Atlantik, Pazifik oder Indischen Ozean bei fast völliger Dunkelheit und Temperaturen zwischen 2 und 6 Grad Celsius. 

Monsterwellen

Unvorhersagbar und bis 1995 noch als Seemannsgarn abgetan, sind Monsterwellen oder auch Freak Waves heute ein eigenes Forschungsgebiet, das Schiffbauer, Küstenforscher, Meteorologen und Physiker in Atem hält. Drei verschiedene Monsterwellentypen sind bekannt: der Kaventsmann, die Weiße Wand und die Drei Schwestern. Mit einer Höhe von bis zu 30 Metern übersteigen sie die Höhe normaler Wellen um das Doppelte. Dabei weisen sie nur geringe Wellenlängen auf und türmen sich in kurzen Abständen, mit hoher Geschwindigkeit enorm steil auf. Die Wellen erzeugen so extreme Anprallkräfte, die Schiffe regelrecht zerschlagen können. Die riesigen Wasserwellen treten vermehrt in Gebieten mit Meeresströmungen, bei Gegenwind und in Küstennähe auf. Doch exakt berechnen lässt sich das Auftreten der Freak Waves nicht. Ihre genaue Entstehung bleibt ein Rätsel.

Frost Flowers

Diese Meereisblumen an den Polen sind etwa zwei bis vier Zentimeter große Eiskristalle. Sie entstehen durch ablandige Winde, die binnen weniger Stunden die gefrorene Wasseroberfläche aufreißen und dort eine konzentrierte Salzlake hervorrufen. Diese gefriert in Kristallen, die das im Meersalz enthaltene Brom aufsaugen. Durch Sonneneinstrahlung wird das Brom in den Kristallen wieder freigesetzt, was auch als Bromexplosion bezeichnet wird. Die Meereisblumen sind Teil der physikalisch-chemischen Wechselwirkung des Meereises mit Ozean und Atmosphäre. Ihre Erforschung liefert wichtige neue Erkenntnisse für Aussagen über das Klimasystem: In den 1980er-Jahren wurde FCKW als Verursacher für Ozonabbau in der Stratosphäre bekannt, dennoch blieb die Quelle der freien Brom-Radikale, die in der Troposphäre das Ozon zerstörten, unbekannt. Forschungen haben mittlerweile bestätigt, dass die freigesetzten Brom-Radikale von den Frost Flowers stammen.

Die tiefste Stelle des Meeres

Sie befindet sich im pazifischen Marianengraben, etwa 2.000 Kilometer östlich der Philippinen. Im Challengertief, wo sich der Graben 10.994 Meter tief absenkt, würde sogar der Mount Everest komplett versinken. Die Meerestiefen nahe den Marianen-Inseln hatten britische Forscher bereits 1875 entdeckt, als ihre Lotleine erst nach über 8.000 Metern den Meeresgrund erreichte. 1960 wagten sich die Tiefseepioniere Jacques Piccard und Don Walsh erstmals mit einem Tauchboot auf knapp elf Kilometer unter den Meeresspiegel hinab. Heute werden Meerestiefs per Echolot und Tauchroboter vermessen, da der hohe Druck die Erforschung mit bemannten Tiefsee-U-Booten erschwert. Übrigens unternahm seit Piccard und Walsh erst wieder Regisseur James Cameron im Jahr 2012 eine solche Tiefsee-Expedition.

Text: Jessica Renziehausen und Lisa Schwarzien
Copyright Fotografie: Monterey Bay Aquarium Research Institute (Header), GfG / Gruppe für Gestaltung (Grafik)