Konstruktion von Anlagen für die Produktion von Waffeln, Kekesen oder Kuchen

Konstruktionskompetenz mit Biss

Seit zwei Jahren unterstützt Brunel Mitarbeiter Sascha de Klerk die Haas Food Equipment GmbH bei der Konstruktion von Anlagen für die Produktion von Waffeln, Keksen oder Kuchen. 20 verschiedene Gebäckformanlagen hat er in dieser Zeit mit auf den Weg gebracht, die weltweit produziert und vertrieben werden.

Es ist 7:20 Uhr als Sascha de Klerk sein Auto auf dem Gelände von Haas im österreichischen Leobendorf parkt. Zehn Minuten später sitzt er an seinem Schreibtisch im ersten Stock des Gebäudekomplexes von Haas-Meincke, einem von vier Unternehmen der HaasGruppe, und fährt seinen Computer hoch.

Der mechanische Konstrukteur teilt sich seit zwei Jahren das Büro mit rund 50 Konstrukteuren, Einkäufern und Projektmanagern und schätzt die Vorteile des Großraumbüros: „Wenn ich einen Sachverhalt zu klären habe, gehe ich zu meinem Kollegen hinüber, statt ein Meeting einzuberufen. Diese unkomplizierte Abstimmung ist sehr hilfreich, weil die Projektzeitpläne stets eng sind, um die Fertigung voll auszulasten.“ Zwischen Auftragserteilung und Auslieferung einer Gebäckformmaschine liegen je nach Art und Größe zwei bis acht Wochen. Um die Deadlines zu halten, arbeiten Sascha de Klerk und die anderen Konstrukteure außerdem immer an zwei Projekten parallel – einem in der Konstruktions- und einem in der Fertigungsphase. Dieses abwechslungsreiche Arbeiten gefällt dem 26-Jährigen:

„Jeder Auftrag ist eine neue Herausforderung, denn jeder Kunde bekommt eine exakt auf seine Ansprüche abgestimmte Anlage.“ 

In seiner Mailbox erwarten den Absolventen der österreichischen Höheren Technischen Lehranstalt (HTL) an diesem Morgen diverse E-Mails mit Änderungen für Lastenhefte. „Nachträgliche Optimierungen an einer Maschine werden schriftlich an alle Konstrukteure bei Haas-Meincke weitergeleitet, damit sie die Verbesserungen bei künftigen Konstruktionen berücksichtigen können“, erklärt Sascha de Klerk. „So werden Wissen und Erfahrungswerte stetig weitergegeben.“ Er legt die Nachrichten ab, um sie bei Bedarf zur Hand zu haben. Anschließend widmet er sich einer für ihn neuen Thematik, über die er gerade per E-Mail informiert wurde: Eine von de Klerk mitkonstruierte Keksanlage sollte heute Vormittag in der Verpackungshalle von Haas in einen Container verladen werden und sich per Lkw auf den Weg zum Kunden machen. Allerdings ist die Maschine zu groß für den Transportcontainer. „Die Anlage wurde kurzfristig auf Kundenwunsch erweitert und somit vergrößert“, berichtet Sascha de Klerk. „Die Überschreitung der Containermaße war minimal – ein Problem, das die Kollegen normalerweise durch das Abmontieren der Füße lösen, was in diesem Fall aus technischen Gründen nicht möglich war.“ Hektik ist bei dem Brunel Experten trotz der außergewöhnlichen Situation nicht zu spüren: „Das wichtigste ist nun, schnell und besonnen zu reagieren. Die Maschine wird per Gabelstapler zurück in die Fertigung gebracht und ich erarbeite mit CREO und AutoCAD Vorschläge, wie sie zerlegt und platzsparender transportiert werden kann. Konstruiert wird in 3D, kommuniziert in 2D – schließlich haben nicht alle Kunden ein 3D-Programm zur Verfügung.“ 

Zwei Stunden später trifft er sich in der Fertigung im Erdgeschoss des Haas-Meincke-Gebäudes mit dem Projektmanager, dem Konstruktionsleiter und einem Mitarbeiter aus der Produktion. Auch sie strahlen Ruhe aus, denn sie sind sicher, dass sich die Verzögerung auf einen Tag beschränken wird. Die Vier diskutieren de Klerks Vorschläge und entscheiden: Die Anlage wird in den nächsten Stunden gemäß der Pläne auseinandergenommen und dann zurück in die Verpackungshalle gebracht, um neu verladen zu werden.

Kurze Wege: Spezialist de Klerk und sein Projektmanager besprechen den Status quo einer aktuellen Konstruktion,

Um 12 Uhr sitzt Sascha de Klerk wieder an seinem Rechner und legt weitere E-Mails mit Änderungen für die Lastenhefte ab. 30 Minuten später geht er mit einem Kollegen in die Kantine im Nebengebäude. In der Regel sprechen die beiden in der Mittagspause nicht über die Arbeit. Heute aber diskutieren sie die Verladeproblematik, die auch für den Kollegen neu ist und über die Sascha de Klerk später die anderen Konstrukteure von Haas-Meincke per E-Mail informieren wird, damit sie diese in ihren Entwürfen berücksichtigen. 

Normen-Wissen für internationale Kunden

Da die Fertigung keine weiteren Rückfragen zur Zerlegung der Keksanlage hat, widmet sich Sascha de Klerk ab 13:10 Uhr der Konstruktion einer Gebäckformmaschine für einen Kunden aus den USA. Die Haas Gruppe hat Standorte in den Niederlanden, Dänemark, Brasilien, China und den USA. Entsprechend häufig wickelt der Brunel Experte Projekte für internationale Kunden ab, bei denen er länderspezifische Normen und Zertifizierungen beachten muss. Für den amerikanischen Markt gelten die UL- und die ANSI-Norm, die den deutschen DIN-Normen entsprechen. Die Herausforderung des aktuellen Projekts ist jedoch nicht die Bürokratie: Der Kunde will die Maschine anders platzieren, als ursprünglich geplant und der Durchbruch in der Hallendecke passt nun nicht mehr zum Layout der zweigeschossigen Gebäckformmaschine. Da vor allem die von Sascha de Klerk konstruierte Teigeinbringung verlegt werden muss, beginnt er digital mit deren Umbau. Für ihn keine alltägliche, aber auch keine außergewöhnliche Aufgabe: „In der Konstruktionsphase geschieht es häufig, dass sich Details wie dieses ändern. Solche Verzögerungen sind einkalkuliert, sodass wir keinen zusätzlichen Druck haben.“ Seine Rohentwürfe wird er später an den Projektmanager und die beteiligten Konstrukteure senden: „Nach deren Okay arbeite ich die Änderungen weiter aus und leite sie an den mechanischen Konstrukteur weiter, der für den nächsten Anlagenabschnitt zuständig ist.“

Die Layout-Anpassungen der Gebäckformmaschine dauern den ganzen Nachmittag an und kurz vor Feierabend informiert Sascha de Klerk den Projektmanager über den aktuellen Stand der Umbaumaßnahmen – der Rohentwurf ist nahezu fertig. Um 16:30 Uhr sitzt er wieder in seinem Auto und schmunzelt beim Anblick einer Kekspackung auf dem Beifahrersitz: „Ich esse heute nicht mehr Kekse als früher und denke dabei auch nicht die ganze Zeit an die Arbeit. Aber gerade bei neuen oder extravaganten Produkten überlege ich schon, wie die wohl produziert wurden.“

 

Text: Stine Behrens
Copyright Fotografie: GfG / Gruppe für Gestaltung