Dynamomaschine und elektrische Straßenbahn

Wer hat's erfunden? Dynamomaschine und elektrische Straßenbahn

Montag, 12. November 2018

Dass Werner von Siemens als Pionier der Elektrotechnik gelten würde, war zunächst nicht absehbar: Herausragend in Mathematik, verließ der Junge aus armem Elternhaus das Gymnasium dennoch ohne Abschluss und bewarb sich mangels Alternativen beim Militär. Dort erhielt er an der Artillerie- und Ingenieurschule die ersehnte naturwissenschaftliche Ausbildung, die gepaart mit seinem Gespür für zukunftsweisende Technologien unserer Gesellschaft bis in die Gegenwart prägt.

Paradebeispiel hierfür ist das dynamoelektrische Prinzip. Zwar entdeckten der Däne Søren Hjorth und der Ungar Ányos Jedlik Jahre vor ihm die Stromgewinnung aus Rotationsbewegungen sowie die Rückführung eines Teils des erzeugten Stroms zum Elektromagneten zur rückkoppelnden Magnetismus- und Stromverstärkung. Siemens allerdings erkannte die Tragweite der Erfndung und verfeinerte sie – getreu seinem Motto: „Wer neu und anders denkt, kann die Welt verändern.“ Auf der Pariser Weltausstellung 1867 bestaunte die Öffentlichkeit seinen elektrischen Generator, der fortan günstige und flexible Elektrizitätserzeugung ohne eine externe Stromquelle ermöglichte. Dankbarer Abnehmer war Bayernkönig Ludwig II., der 1878 mit dem ersten E-Kraftwerk der Welt eine künstlich angelegte Venusgrotte auf einem seiner Schlösser erleuchtete.

Nur ein Jahr später rüstete Siemens drei Pferdebahnwagen zur ersten elektrischen Straßenbahn weltweit um. Jeder der zweiachsigen Triebwagen besaß einen Gleichstrommotor mit einer Leistung von 10 PS, der seinen Fahrstrom (180 V) über Schleifkontakte mit den Schienen von den mit eisernen Radkränzen versehenen Holzscheibenrädern erhielt. Die etwa 20 km/h schnelle Premierenfahrt erfolgte 1881 in Lichterfelde. Begeisterte Fahrgäste waren gern bereit, den Preis von 20 Pfennig – mehr als ein damaliger Durchschnittsstundenlohn – zu entrichten.

Text: Bastian Korte