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Bermudadreieck: Vom Mythos zum Märchen

Das Bermudadreieck im westlichen Atlantik ist bekannt für eine vermeintliche Häufung mysteriöser Schiffs- und Flugzeugunglücke. Statistisch ist zwar belegt, dass es nicht unsicherer ist als andere Regionen der Weltmeere mit einem ähnlich hohen Verkehrsaufkommen. Die Mythenbildung regte Experten aber dazu an, wissenschaftlich plausible Erklärungen für die Unfälle zu entwickeln.

Am 5. Dezember 1945 verschwand Flight 19 bei einem Übungsmanöver – und die Legendenbildung nahm ihren Lauf. Die fünf US-Bomber mit insgesamt 14 Mann Besatzung hinterließen keinerlei Spuren. Auch das zur Rettung aufgebrochene Wasserflugzeug kehrte nicht zurück. Zwar galten die Piloten als unerfahren und der spätere Militärbericht bestätigte einen per Funk kommunizierten Ausfall der Navigationsinstrumente, doch schob der aufkeimende Mythos derlei Fakten zur Seite. Dies gipfelte 1974 in dem Bestseller „The Bermuda Triangle“ des US-Schriftstellers Charles Berlitz, in dem er zahlreiche ungeklärte Vorfälle beschrieb. Verschwörungstheoretiker leiteten daraus Ursachen von Atlantis bis hin zu Aliens ab. Doch mittlerweile existieren eine Reihe von seriösen wissenschaftlichen Theorien für Schiffs- und Flugzeugunglücke in der Region.

Methangas

Geowissenschaftler haben festgestellt, dass zwischen Bermuda, Puerto Rico und Florida riesige Methangas-Vorkommen existieren. Die Experten glauben, dass sich in Tiefen von 500 bis 2.000 m Methanhydrate gebildet haben. Diese eisähnlichen Brocken binden Methan in sich. Kommt es zu Druck- oder Temperaturveränderungen, brechen die Brocken auf, das Gas kann entweichen. Geschieht dies abrupt, etwa bei einem Seebeben oder tektonischen Verschiebungen, steigt das Gas in großen Mengen auf und verringert die Oberflächenspannung des Wassers. In diesem Fall ist es theoretisch denkbar, dass die Wasseroberfläche keine Schiffe mehr trägt. Allerdings wären hierfür deutlich mehr als die bisher nachgewiesenen maximal 6 ml Methan pro l Wasser notwendig.

Elektromagnetische Felder

Das Bermudadreieck sei laut US Navy eine von wenigen Stellen der Erde, an denen magnetische Kompasse von Flugzeugen zum geographischen Nordpol zeigen. Überall sonst richten sie sich gen magnetischem Nordpol aus. Wissen die Navigatoren nichts davon, sind Unfälle vorprogrammiert. Angeblich soll bereits Christoph Kolumbus berichtet haben, dass der Kompass in diesem Seegebiet plötzlich verrücktspielte. Seit dem 19. Jahrhundert soll das Bermudadreieck von dieser Magnetismus-Verschiebung jedoch nicht mehr so stark beeinflusst worden sein wie früher.

Meteorologie

Auch die im Bermudadreieck häufig wütenden Stürme können eine Rolle spielen: Die Wrackteile werden durch den Golfstrom dann innerhalb kürzester Zeit in für die Suchtrupps unvermutete Areale getragen. Später sinken sie irgendwo im Atlantik auf den Meeresgrund und sind endgültig verschollen. So bleiben viele Unglücke unaufgeklärt und tragen zur Mythenbildung bei.

Die verschiedenen Erklärungsansätze zeigen, dass Forschung im Gegensatz zur Gerüchteküche meist die besseren Antworten parat hat. Im Zusammenspiel mit der Statistik, die der Region normale Unfallzahlen bescheinigt, wird durch Wissenschaft aus dem Mythos Bermudadreieck schnell ein Märchen.

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