Regenschirm

Let it rain

Mittwoch, 28. August 2019

Um Unwetter noch genauer vorherzusagen und damit im Ernstfall sogar Menschenleben zu retten, entwickelte Max von Wolff eine Apparatur zur Vermessung von Regentropfen. Seine Arbeit wurde in der Rubrik Physik beim letztjährigen Jugend-forscht-Wettbewerb mit dem 1. Platz und auch auf europäischer Ebene mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. Bald soll das Gerät in jedem Garten stehen.

Dem Sohn eines Maschinenbauingenieurs ist die Tüftel-Leidenschaft scheinbar in die Wiege gelegt. „Ich nahm schon früh alles auseinander, wollte die Mechanismen dahinter verstehen“, berichtet der heute 19-Jährige. „Mein Antrieb wird dabei stets durch Probleme des Alltags geweckt.“ So war es auch, als der Schüler des Megina-Gymnasiums im rheinland-pfälzischen Mayen 2016 vom Gewitter beim Festival Rock am Ring erfuhr, bei dem Besucher durch Blitzeinschläge schwer verletzt wurden. Zwar war es angekündigt, doch Intensität und genauer Verlauf blieben zu vage. Also stieg Max von Wolff, bis dato ohne Berührungspunkte zur Meteorologie, in die Recherche ein: Wie werden Wettervorhersagen getroffen und welche Lücken könnte es geben? Schnell war ihm klar: In vielen Regionen Deutschlands ist das Netz aus amtlichen Wetterstationen zu grobmaschig; Satelliten helfen eher bei der globalen Klimabeobachtung. Vor allem der Regentropfenumfang als entscheidender Faktor – je größer, desto stärker ein Unwetter – veranlasste ihn zum Bau eines Messgeräts, das er innerhalb eines Jahres und dank technisch-physikalischem Vorwissen komplett ohne externe Unterstützung zum Prototypen weiterentwickelte.

Apparatur zur Vermessung von Regentropfen
Apparatur zur Vermessung von Regentropfen

Bei dem Gerät vom Format eines Rauchmelders fallen die Regentropfen auf eine Aluminiummembran, die dadurch ins Schwingen gerät. Sensoren erfassen dieses feine Zittern mittels Piezoeffekt und ein Mikroprozessor klassifiziert je nach Messwert die Tropfen. Die größte Herausforderung lag jedoch in der Bestimmung des genauen Volumens: „Tausende Messungen waren nötig, mit denen ich 20 Tropfenkategorien bilden konnte. Dafür erzeugte ich künstliche Tropfen mithilfe eines Kfz-Kraftstoffeinspritzventils, womit auch fein dosiertes Nieseln darstellbar war. Automatisierte Blitzlichtaufnahmen erfassten den Moment des Tropfenfallens und ein PC las den Umfang anhand der Fotos in eine Datenbank aus“, erklärt von Wolff seinen Einfallsreichtum. Dem Deutschen Wetterdienst könnten seine Messungen künftig als wertvolle Ergänzung dienen. Doch schweben ihm vielmehr Privatnutzer vor, die lokal und minutengenau erfahren möchten, ob und wann es zu Hause regnet oder stürmt – perspektivisch auch durch eine kostenlose App und Kompatibilität mit Smart-Home-Anwendungen. Ab Sommer 2019 soll der sogenannte XClime One serienreif sein.

Max von Wolff bei der Stiftung Jugend forscht e.V. 

Auch für seine fernere Zukunft hegt der frisch gebackene Abiturient konkrete Pläne: die berufliche Selbstständigkeit. „Auf eine Branche möchte ich mich nicht festlegen. Mir ist vor allem wichtig, dass mein Tun einem übergeordneten Zweck dient. Denn meine Vision ist es, die Menschheit einen Schritt weiterzubringen.“

Text: Bastian Korte

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