Erfinder der Klimaanlage

Ein Bahnsteig in Pittsburgh im Jahr 1902: Der US-amerikanische Industriemechaniker Willis Haviland Carrier starrt durch den Nebel, als ihm die Idee seines Lebens in den Sinn kommt.

Der damals 26-Jährige, angestellt in einer Papierfabrik, suchte schon seit geraumer Zeit nach einer Möglichkeit, die Luftfeuchtigkeit so zu regulieren, dass die Papierproduktion nie stillstehen muss. Ihm wurde klar, dass sich Luft mit einem gewünschten Feuchtigkeitsgehalt künstlich erzeugen lässt, indem sie in Verbindung mit Wasser zu Nebel wird. Da die Luftfeuchte und ihre Temperatur in direktem Zusammenhang stehen, erfand Carrier – quasi nebenbei – die erste moderne Klimaanlage, die er innerhalb eines Jahres fertig konstruierte. Seinen Hang zu pragmatischen Problemlösungen führte der diplomierte Maschinenbauer einst auf einen Schlüsselmoment seiner Kindheit zurück, als ihm die Mutter anhand unterschiedlich großer Apfelscheiben die Bruchrechnung näherbrachte. Sein Erfindergeist brachte Carrier zahlreiche Auszeichnungen ein – von der Ehrendoktorwürde zweier Universitäten über die Aufnahme in die National Inventors Hall of Fame bis zur Ernennung zu einer der 100 einflussreichsten Personen des 20. Jahrhunderts durch das TIME Magazine. Wohlbegründeter Ruhm, denn die Klimaanlage ebnete zahlreichen Branchen den industriellen Aufstieg und erleichterte
Menschen in warmen Regionen den Alltag. Noch heute zählt die 1915 gegründete Carrier Air Conditioning Company zu den größten Herstellern und vertreibt ihre Produkte über den gesamten Erdball.

Text: Bastian Korte
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