Mit Proaktiviät Ziele erreichen

Mit Proaktivität Karriere machen

Gern genutzt in Stellenanzeigen, aber selten konkret erklärt, gewinnt das Wort „proaktiv" im Arbeitskontext immer mehr an Bedeutung. Denn: Proaktiv – zusammengesetzt aus den Silben „pro“ und „aktiv“ – ist äußerst positiv besetzt. Welche genaue Bedeutung hinter dem Begriff steckt und welche Vorteile damit in Verbindung stehen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Was bedeutet Proaktivität?

Laut dem Duden wird der Begriff Proaktivität folgendermaßen definiert:

"durch differenzierte Vorausplanung und zielgerichtetes Handeln die Entwicklung eines Geschehens selbst bestimmend und eine Situation herbeiführend“

Wer proaktiv agiert, handelt also eigeninitiativ, fokussiert, selbstbewusst und auch im Sinne erfolgreichen Teamworks vorausschauend. Das kann im Privatleben, aber insbesondere im Job von Vorteil sein. Proaktive Mitarbeiter - Fachkräfte wie Führungskräfte - vertreten mit Eigeninitiative ihre Interessen und bemühen sich aus eigener Kraft darum, ihre Ziele zu erreichen. Sie nehmen ihr Leben sprichwörtlich „selbst in die Hand" und überlassen ihre Karriere nicht dem Zufall oder anderen Personen. Dabei hat proaktives Verhalten laut Studien einen positiven Einfluss auf die eigene berufliche Situation und mündet etwa in höhere Leistungsbewertungen oder effektivere Leistungen. Doch wie schaffen Sie es, proaktiv zu handeln?

  1. Reflektieren Sie Ihre Motivation: Nur wer seine (beruflichen) Ambitionen kennt, kann zielgerichtet handeln.

  2. Fordern Sie sich heraus: Ihre Ziele sollten konkret und herausfordernd, aber erreichbar sein.

  3. Blicken Sie in die Zukunft: Überlegen Sie sich, welches die nächsten Schritte sind und handeln Sie vorausschauend – das gilt für Ihr Projekt und die Zusammenarbeit mit Vorgesetzten, Kunden oder Partnern ebenso wie für Ihre gesamte Karriere.

  4. Hinterfragen Sie Routinen: Immer gleiche Prozesse und Vorgehensweisen können die Arbeit erleichtern und beschleunigen, aber auch Innovation und Fortschritt hemmen.

  5. Zeigen Sie sich: Übernehmen Sie von sich aus Verantwortung, erledigen Sie Aufgaben unaufgefordert und äußern Sie in Gesprächen und Meetings klar und überlegt Ihren Standpunkt.

Welche Vorteile bietet Proaktivität?

Die Vorteile, die proaktive Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen erfahren können, liegen auf der Hand. Im besten Fall resultieren aus proaktiven Entscheidungen und Handlungen eigene Motivation und in vielerlei Hinsicht Erfolg. Die Arbeit wird effizienter, Kunden, Vorgesetzte und Kollegen bekommen ihre Interessen vorausschauend erfüllt und Sie erfahren Selbsterfüllung und Sinnstiftung, indem Sie Ihren eigenen Motiven folgend Themen und Projekte erfolgreich in die Umsetzung bringen. Sowohl für Ihr berufliches Umfeld als auch für Sie kann sich eine große Zufriedenheit einstellen. Sie vermeiden Frustrationen, die sich etwa durch das Warten auf Kollegen oder ineffiziente Prozesse ergeben und Ihre Kollegen, Kunden und Vorgesetzten erfahren Unterstützung, bekommen innovativere Lösungen aufgezeigt und erhalten die gewünschten Ergebnisse frühzeitig (ohne eigenes Zutun). Solange Ihre proaktiven Züge durchdacht und in Orientierung an den tatsächlichen Projekt- oder Kundenbedarfen erfolgen, stellen sich Erfolgserlebnisse mit Win-Win-Faktor ein.


Was ist der Unterschied zwischen aktiv und proaktiv?

Um den Unterschied zwischen „aktiv“ und „proaktiv“ zu verdeutlichen, bietet es sich an, einen weiteren Begriff einzubeziehen: „reaktiv“. Reaktivität bedeutet, ein bestimmtes Verhalten wird nur als Reaktion auf ein vorangegangenes Verhalten oder ein vorangegangenes Ereignis gezeigt. Ein externer Impuls gibt den Anstoß dafür, dass wir handeln. Aktiv sind wir hingegen dann, wenn tatkräftig gehandelt wird. Wenn Sie zum Beispiel bewusst, mit einer bestimmten Absicht, eine Entwicklung anstoßen, sind Sie aktiv. Erfolgt dieses Handeln auch mit einem gewissen Vorausdenken und bereiten Sie sich differenziert auf eintretende Entwicklungen vor, verhalten Sie sich proaktiv.

Nachfolgend geben wir Ihnen noch ein paar Beispiele an die Hand, die die Bedeutung des Begriffes Proaktivität verdeutlichen und Ihnen bei der Ausgestaltung dessen im Arbeitsalltag helfen können.

Was beinhaltet proaktive Kommunikation?

Ein Mittel und Weg, um Proaktivität zu zeigen, ist die Kommunikation. Dabei kann proaktive Kommunikation sowohl in der Interaktion als auch in der Präsentation der eigenen Einstellung und Sichtweise angewendet werden. Letzteres meint, dass Sie nicht schüchtern oder passiv mit Ihrer Meinung und Ihrem Wissen umgehen, sondern Gelegenheiten finden und nutzen sollten, ihre Einstellung zu kommunizieren. Haben Sie zum Beispiel innovative Ideen oder neue Lösungsansätze für ein Projekt, dann sollten Sie diese im Sinne der Proaktivität äußern, andere teilhaben lassen und sie bestenfalls motivieren und inspirieren. Äußern Sie selbstbewusst, was Sie denken, welche Pläne Sie haben und verfolgen Sie Ihre Ziele, indem Sie diese durch die Präsentation sowie die Diskussion greifbar für sich und andere machen. Bezogen auf die Interaktion geht die Proaktivität noch über das bereits Geschriebene hinaus. Natürlich geht es auch hier darum, eigene Ansichten und Erfahrungen offen und aktiv zu teilen. Zusätzlich geht es bei proaktiver Interaktion aber auch darum, sich für erfolgreiche Zusammenarbeit und effiziente Arbeitsergebnisse zu vernetzen. Verbinden Sie sich also aktiv mit Ihren Kollegen, Vorgesetzten und Kunden, indem Sie offen auf sie zugehen, sich für sie und ihre Ansichten interessieren und gleichzeitig auch preisgeben, was Sie denken und planen.

Wie lässt sich Proaktivität im Anschreiben formulieren?

Auch in der Bewerbung kann es darum gehen, Ihrer Proaktivität Ausdruck zu verleihen. Spätestens, wenn Stellenanzeigen und Jobbeschreibungen explizit darauf hinweisen, dass proaktive Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gesucht werden, sollten Sie Ihre Proaktivität als vorhandene Stärke im Anschreiben herausstellen. Machen Sie es sich aber nicht zu leicht und greifen Sie nicht einfach auf Formulierungen wie „Ich bin proaktiv.“ zurück. Füllen Sie den Begriff mit Leben und führen Sie Beispiele an, die Ihre Proaktivität verdeutlichen. Haben Sie bei Ihrem letzten Arbeitgeber eigene Ideen in die Umsetzung gebracht? Haben Sie Prozesse neu definiert? Oder haben Sie durch Ihre Proaktivität besondere Projekte oder zunehmende Verantwortung gewonnen? Erwähnen Sie solche Erfolge und bereiten Sie sich darauf vor, diese im Vorstellungsgespräch weiter auszuführen.

Wie kann proaktives Handeln in einem Vorstellungsgespräch dargestellt werden?

Im Vorstellungsgespräch geht es darum, Ihre eigenen Stärken herauszustellen und die Personaler von Ihren Kompetenzen, Fähigkeiten, Erfahrungen und Interessen zu überzeugen. Möchten Sie eine Stelle als Fachkraft oder Führungskraft bekommen, für die Proaktivität wichtig ist, bereiten Sie sich auf das Vorstellungsgespräch vor, indem Sie einschlägige Beispiele Ihrer bisherigen Karriere identifizieren und für sich so aufbereiten, dass Sie diese im Interview gut wiedergeben können. Zeigen Sie anhand von zwei bis drei Beispielen, wie Ihre Proaktivität aussieht und was sie Ihnen in der Vergangenheit Positives gebracht hat. Präsentieren Sie etwa Projekte, in denen Sie viel Eigeninitiative gezeigt haben und dafür Erfolge erzielen konnten. Erläutern Sie dabei auch gerne, wie Sie mit Kollegen oder dem Team zusammengearbeitet haben. Denn neben der Proaktivität zählt für die meisten Unternehmen auch Ihr Teamgeist.

Tipps für mehr Proaktivität

Zu guter Letzt: Behalten Sie für Ihre Proaktivität stets zwei Dinge im Hinterkopf:

1. Wenn Sie noch nicht so geübt sind, Ihren persönlichen Weg für proaktives Handeln zu finden und auszudrücken, ist das Privatleben zu Anfang ein guter Übungsplatz. Denn wenn Sie jenseits des Jobs Herausforderungen meistern oder erfolgreich Verantwortung übernommen haben, tanken Sie Selbstbewusstsein und Motivation, um dies auch im Berufsleben zu tun.

2. Proaktives Verhalten kann von Tag zu Tag variieren und muss der Situation angemessen sein: So können Sie an einigen Arbeitstagen ein hohes Maß an proaktivem Verhalten zeigen, an anderen überlassen Sie eher Ihren Kollegen die Initiative. Auch, wenn Sie die Vorteile erkennen und für sich nutzen wollen: Finden Sie das für Sie richtige Maß. Das gilt nicht nur für die Anwendung proaktiven Handelns, sondern auch für die Präsentation dessen in Ihrer Bewerbungsphase.


Sina Kardatzki

Expert Referentin Marketing und Kommunikation, Brunel GmbH

Ich studiere berufsbegleitend Wirtschaftspsychologie. Dabei lerne ich immer wieder: Proaktivität ist aus der modernen Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken. Wer heute die Karriereleiter hochklettern möchte, sollte sich damit auseinandersetzen. Potenzial, um proaktiv zu handeln, versteckt sich überall.
SK

Sina Kardatzki
Wirtschaftspyschologin & Expert Referentin für Marketing und Kommunikation bei Brunel