Weltraumforschung und Physikforschung - Investition in die Zukunft

Teure Projekte

Wissenschaft ist faszinierend – doch sie ist auch teuer. Insbesondere die Weltraum- und Physikforschung ist mit enorm hohen Kosten verbunden. Doch die klugen Köpfe dahinter erhoffen sich, aus ihr einen nicht mit Geld aufzuwiegenden Nutzen für die Menschheit ziehen zu können. Wir stellen die fünf aufwendigsten und kostspieligsten Projekte der Welt in einem Ranking vor.

1. Unerschöpfliche Energiequelle - Kernfusionsreaktor ITER

Der Kernfusionsreaktor International Thermonuclear Experimental Reactor (ITER) ist ein Gemeinschaftsprojekt zur klimafreundlichen Energieerzeugung von 35 Staaten, das sich seit 2007 in Südfrankreich im Bau befindet. Im Gegensatz zu einem Atomkraftwerk arbeitet er mit Kernfusion, nicht mit Kernspaltung: Ein Gemisch aus den Wasserstoffisotopen Deuterium und Tritium wird hierbei auf etwa 150 Mio. °C erhitzt. Das heiße Plasma wird dabei von einem Magnetfeld eingeschlossen, die Wasserstoffisotope fusionieren und setzen dabei enorm viel Energie frei. Diese Reaktion findet auch in Sonnen und Sternen statt. Die Vorteile: Der verwendete Brennstoff Deuterium-Tritium ist nahezu unbegrenzt auf der Erde vorhanden, das Risiko einer Kernschmelze entfällt. Zudem entstehen keine radioaktiven Abfälle, die endgelagert werden müssten. Der Kernfusionsreaktor ITER könnte 2025 erstmals Wasserstoffplasma erzeugen.

Kosten: 20 Mrd. €

ITER
 International Thermonuclear Experimental Reactor (Iter)

2. Unvergleichliche Genauigkeit - Navigationssystem Galileo

Beim globalen Navigationssystem Galileo handelt es sich um ein von der EU finanziertes Projekt, das weltweit Daten zur Positionsbestimmung liefert. Im Gegensatz zum militärisch kontrollierten GPS befindet sich das Navigationssystem Galileo in ziviler Hand und soll seinen Nutzern eine bisher unerreichte Messgenauigkeit von 1 m und darunter ermöglichen – für spezielle Bedarfe wie das autonome Fahren, die Logistik oder die Landwirtschaft sogar bis auf 20 cm genau. Seit Sommer 2018 befinden sich bereits 26 Satelliten im Orbit, weitere 4 werden Ende 2020 mit einer Trägerrakete ins All gebracht. Mit dem Launch dieser letzten Satelliten wäre das Navigationssystem Galileo komplett und bereit für den offiziellen Einsatz.

Kosten: 12 Mrd. €

Navigationssystem Galileo
Navigationssystem Galileo

3. Unfassbare Weiten - James Webb Space Telescope

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, dem Hubble-Teleskop, arbeitet das James Webb Space Telescope (JWST) mit Nahinfrarot und kann wesentlich tiefer ins All sowie durch Staubwolken sehen. Zu den Hauptaufgaben des JWST zählen die Suche nach Licht von den ersten Sternen sowie die Erforschung der Struktur und Entwicklung von Galaxien. Das Weltraumteleskop ist ein Gemeinschaftsprojekt von NASA, ESA und CSA. Geplant ist die Stationierung des James Webb Space Telescope für 2021, etwa 1,5 Mio. km von der Erde entfernt am Lagrange-Punkt L2 des Erde-Sonne-Systems.

Kosten: 8,26 Mrd. €

JWST
James Webb Space Telescope

4. Unglaubliche Datenmengen - Radioteleskop Square Kilometre Array

Der Gesamtempfangsfläche von rund 1 km2 hat es seinen Namen zu verdanken: Das gigantische Radioteleskop Square Kilometre Array (SKA) soll aus unzähligen Radioantennen bestehen, die das All tausendmal schneller als bisher absuchen und extrem hochauflösende Weltraumbilder liefern. Die geplanten SKA-Zentren in Australien/Neuseeland und Südafrika verarbeiten und kombinieren die eingehenden Signale aufgrund riesiger Datenmengen mit einem Supercomputer. Forscher hoffen somit Antworten auf fundamentale Fragen zum Ursprung des Universums zu finden. Die Realisierung wird allerdings noch einige Jahre dauern.

Kosten: 1,5 Mrd. €

Radioteleskop Square Kilometre Array

5. Umfangreiche Erkenntnisse - Teilchenbeschleuniger Fair

Der Teilchenbeschleuniger Fair (Facility for Antiproton and Ion Research), der zurzeit in Darmstadt gebaut wird, soll ebenfalls neue Erkenntnisse über den Aufbau der Materie und die Entwicklung des Universums seit dem Urknall liefern. Herzstück der Anlage, die alle Elemente von Wasserstoff bis Uran beschleunigen kann, ist ein Doppelringbeschleuniger mit einem Umfang von 1,1 km. Laut Zeitplan sollen 2022 etwa 80% der Experimente laufen, spätestens 2025 geht die Forschungseinrichtung in den Vollbetrieb.

Kosten: 1,5 Mrd. €

Teilchenbeschleuniger Fair
Teilchenbeschleuniger Fair

Text: Elisabeth Stockinger
Copyrights (von oben nach unten): ITER ORGANIZATION, ESA-P. Carril, NASA/MSFC/David Higginbotham, SKA Organisation, on42/FAIR