Brunel Duo für reibungslosen Anlagenumbau

Der Umbau einer Chemieanlage im laufenden Betrieb erfordert intelligente Prozesse und spezielles Know-how. Dies zeigt ein gemeinsamer Tag mit den beiden Brunel Experten Frank Soboll und Gunnar Erdmann, die die Evonik Nutrition & Care GmbH an wichtigen Schnittstellen der Rohrleitungsplanungn sowie im Explosions- und Brandschutz unterstützen.

Es ist 7:40 Uhr, als Gunnar Erdmann seinen VW T4 parkt und ein umzäuntes, etwa vier Fußballfelder großes Areal am Rande des Odenwaldes betritt. Hier in Dossenheim betreibt das internationale Spezialchemie-Unternehmen Evonik Nutrition & Care GmbH Anlagen zur Herstellung zahlreicher pharmazeutischer Wirkstoffe. Wechselt die zu produzierende Substanz oder sind für neue Produkte behördliche Auflagen zu erfüllen, ist oftmals eine Umrüstung oder Modernisierung der Anlage notwendig. Im Rahmen dieser komplexen Umbauten nehmen die Arbeitssicherheit und Infrastruktur – die Aufgabenbereiche zweier Brunel Mitarbeiter – zentrale Rollen ein. „Unser Projekt ist auf drei bis fünf Jahre ausgelegt. Aktuell stehen wir noch ganz am Anfang“, berichtet Rohrleitungsplaner Erdmann auf dem Weg zu seinem Container-Büro.


Dort ist Kollege Frank Soboll, zuständig für den Explosions- und Brandschutz, bereits in seine Arbeit vertieft. „Das morgendliche Priorisieren der E-Mails bestimmt maßgeblich den Tagesablauf, denn oberstes Gebot sind trotz Modernisierung der störungsfreie operative Betrieb und alle dafür notwendigen Maßnahmen“, erklärt Soboll. Drei Anfragen aus den internen Abteilungen Technik und Einkauf sowie die digitale Post eines beauftragten Planungsbüros müssen warten, denn ein Lieferant hat Vorrang. Es geht um ableitfähige Vakuumbehälter aus glasfaserverstärktem Kunststoff, die Frank Soboll auf Basis der Evonik-Datenbank vor einer Woche spezifziert und ausgeschrieben hatte. „Die Behälter sind in einer Abluftreinigungsanlage als Vorabscheider verbaut und tragen somit zur Betriebssicherheit bei“, erläutert der studierte Maschinenbauingenieur. Der Lieferant bittet in seiner E-Mail um eine kurzfristige Zusendung von Fotos des Ist-Zustandes vor Ort, damit er die Lieferfrist einhalten kann. Frank Soboll nimmt einen letzten Schluck Kaffee, schnappt sich Sicherheitsweste, Schutzbrille und -helm und steht wenige Minuten später samt Digitalkamera und Prüfgerät zur Luftfreimessung in einem Trakt der Anlage. „Das Prüfgerät ist zusammen mit einer Arbeitsfreigabe Pflicht im Chemiebetrieb, sobald elektrische Geräte mitgenommen werden“, sagt der 35-Jährige.

Zurück am Schreibtisch hat Soboll nicht viel Zeit für die Weiterleitung der Fotos, denn als Projektkoordinator fungiert er als interdisziplinäres Bindeglied zwischen allen Abteilungen und Dienstleistern. Und so wartet kurz vor halb zehn bereits Daniel Henke, Projektmanager für Global Technology & Engineering im Bereich Health Care bei Evonik, zum regelmäßigen Austausch über die Kosten- und Terminkontrolle sowie Montageablaufplanung. „In unserer eng getakteten Produktion greift ein Rädchen ins andere. Durch intensive und minutiöse Planung soll Stillstand auf ein Minimum reduziert werden. Am Beispiel der Vakuumbehälter bedeutet das: Verzögern sich Lieferung und Einbau, hat dies direkte Folgen für den Betrieb, das Lager oder den Vertrieb und kostet Evonik somit unnö- tig Geld“, so Soboll, der seit über drei Jahren beim Ingenieurdienstleister Brunel tätig ist. Mit komplexen Zeitplänen visualisiert der gebürtige Hesse seinem Gegenüber den Status quo diverser Teilprojekte. Soboll erfährt außerdem: Der Umbau auf die neuen Behälter kann früher starten – allerdings bleibt dafür mit vier bis fünf Tagen ein etwas kürzeres Zeitfenster als gedacht, da die nächste Produktionsumstellung von Phosphoniumsalz auf Flüssigkristalle bevorsteht.

Stetiges Update der Sicherheitstechnik

Der Wechsel zwischen Büro und Anlage zieht sich wie ein roter Faden durch meinen Arbeitstag“, erzählt Frank Soboll, als er sich um kurz vor elf Uhr auf den Weg zum nächsten Termin macht. Er begrüßt Vertreter der Berufsfeuerwehr, der Bautechnik und einen Architekten und startet zur gemeinsamen Brandschutzbegehung. „Je nach zu produzierender Substanz passt sich die Infrastruktur der gesamten Anlage an, es werden neue Wände oder Decken eingezogen“, verdeutlicht der Brunel Experte mit Klemmbrett unter dem Arm. „Mit dieser Entwicklung müssen die Sicherheitsvorkehrungen Schritt halten.“ Heute geht es um die Frage, wo Alarmdetektoren und Sirenen platziert werden, die im Brandfall automatisiert ein Signal an die Schaltzentrale der Feuerwehr absetzen. Frank Soboll notiert unter anderem die Maße des Mauerwerks sowie fehlende Feuerschutztüren – und wird im Nachgang die Realisierung aller Maßnahmen koordinieren.

Da Sobolls Begehung noch einige Stunden dauern wird, hat sich sein Brunel Kollege Gunnar Erdmann heute ausnahmsweise allein zur Mittagspause aufgemacht und kehrt gegen 13 Uhr aus der nur 30 Meter entfernten Kantine ins Container-Büro zurück. Den Vormittag hatte der Rohrleitungsplaner in einem Meeting für eine anstehende HAZOP-Studie (Hazard and Operability) verbracht. „Bei dieser Sicherheitsbetrachtung der Anlage werden potenzielle Gefahren wie Umweltschäden oder Verletzungsrisiken für Mitarbeiter analysiert. Zur Vorbereitung werde ich nun Dokumente und Zeichnungen sichten und auf Aktualität prüfen.“ Zuvor widmet er sich aber einem dringenderen Projekt: dem Ersatz einer ausgefallenen Pumpe. „Sie pumpt Mutterlauge in Abfalltanks, die in einer Horizontal-Zentrifuge durch die Trennung von Flüssig- und Feststoffen entsteht“, so Erdmann. Um eine neue Pumpe bestellen zu können, muss der 35-Jährige zuvor mittels des Konstruktionstools BricsCAD ein Fließbild erstellen. Dabei gilt es, neben dem Gefälle der Rohre, der Anbindung von Haupt- und Versorgungsleitungen für Stickstoffeingänge und Dichtungskühlwasser oder der Kollisionsvermeidung mit vorhandenen Stahlträgern viele weitere Aspekte zu beachten. „Räumliches Vorstellungsvermögen ist definitiv hilfreich“, meint der Sachse, dem an seinem aktuellen Projekt genau diese Kombination aus Planung und Konstruktion gefällt.

Zwei Stunden später steht Gunnar Erdmann mit einem Dienstleister in einer Halle. Im Fußboden unter ihnen sind Risse sichtbar, die es zur Umnutzung als Chemikalienlager und damit zum künftigen Umweltschutz zu beheben gilt. Gunnar Erdmann entscheidet sich nach Beratung mit dem Gesprächspartner für eine neu aufzubringende Epoxidharz-Beschichtung, die den Normen des Wasserhaushaltsgesetzes entspricht. Kniffliger ist die Wahl des Verfahrens zum Oberflächenabtrag: Die avisierte Kugelstrahlmethode ist im notwendigen Nassverfahren, das Staub und Funken vermeidet, nicht möglich – die Kugeln würden festkleben. „Somit werden wir wohl fräsen müssen. Das stimme ich direkt mal mit dem Leiter des Lagers ab“, sagt der Maschinenbauingenieur auf dem Rückweg zum Büro. Hier treffen sich die beiden Brunel Mitarbeiter kurz vor Feierabend wieder, verfassen Besprechungsprotokolle und beantworten offene E-Mails. Gegen 17:30 Uhr gehen sie gemeinsam zum Parkplatz und lassen den abwechslungsreichen Tag Revue passieren: „Morgen früh können sich die Rahmenbedingungen
erneut ändern und wir müssen entsprechende Lösungen fnden“, denkt Soboll laut.
Und sein Kollege ergänzt: „Genau diese Herausforderung haben wir beide gesucht.“
Während Gunnar Erdmann nun den Bürostuhl gegen seinen Fahrradsattel tauscht, freut sich Frank Soboll auf Zeit mit seiner Familie.

Text: Bastian Korte

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