Arbeitgeberverband

Arbeitgeberverband

Ein Arbeitgeberverband ist eine privatrechtliche Organisation, die sich aus mehreren Arbeitgebern zusammensetzt, um gemeinsame Interessen zu vertreten. Kriterien, nach denen sich Arbeitgeberverbände zusammenschließen, können Branchenzugehörigkeit, Betriebsgröße oder geografische Lage sein. Die Dachorganisation aller Arbeitgeberverbände in Deutschland ist die „Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)“. Auf internationaler Ebene sind es z.B. die „Internationale Arbeitgeberorganisation (IOE)“ und der „Generalrat der Europäischen Industrieverbände (REI)“. Das Pendant zum Arbeitgeberverband ist die Gewerkschaft, die sich für die Interessen der Arbeitnehmer stark machen.

Aufgaben des Arbeitgeberverbands

Zu den drei wesentlichen Aufgaben von Arbeitgeberverbänden zählen folgende:

  1. Tarifpolitik: Arbeitgeberverbände haben zum Ziel, Tarifverhandlungen mit Gewerkschaften eigenverantwortlich durchzuführen. Aufgrund des Gesetzes zur Tarifautonomie, geregelt in Art. 9 Abs. 3 des Grundgesetzes, laufen die Tarifverhandlungen frei von staatlichen Eingriffen. Zumeist gelten Tarifverhandlungen überbetrieblich.
  2. Beratungsleistungen: Beratungsleistungen stellen eine tragende Funktion von Arbeitgeberverbänden dar. Sie bündeln Know-how rund um technische, wirtschaftliche und rechtliche Änderungen innerhalb einer Branche, entwickeln Informationsmaterial und bündeln Konzepte. Zu den Beratungsleistungen von Arbeitgeberverbänden zählen zum Beispiel Informationsveranstaltungen zu gesetzlichen und wirtschaftlichen Veränderungen, Weiterbildungen und Schulungen, Beratungsdienste in sozial-, tarif-, und arbeitsmarktpolitischen Fragen, Rechtshilfeberatung, Empfehlungen rund um die Verbesserung von Arbeitsbeziehungen und Arbeitsbedingungen sowie das Bereitstellen von Statistiken und Musterbetriebsvereinbarungen.
  3. Öffentlichkeitsarbeit und Lobbyarbeit: Neben tarifpolitischen Angelegenheiten und Beratungsleistungen sieht der Arbeitgeberverband sich in der Verantwortung, Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, um die eigene Branche sowie die Mitgliedsunternehmen in ein positives Licht zu stellen und die Bedeutung des Wirtschaftszweiges hervorzuheben. Die Lobbyarbeit von Arbeitgeberverbänden versucht über politische Vertreter mehr Einflussmöglichkeiten zu erwerben.

Aufbau und Organisation von Arbeitgeberverbänden

Organe: Ein Arbeitgeberverband besteht in der Regel aus einer Mitgliederversammlung und einem Vorstand. Der Vorstand ist das oberste Organ und hat die Aufgabe, den Verband nach außen hin zu repräsentieren und laufende Geschäfte zu führen. Dazu bestimmt der Vorstand in der Regel einen oder mehrere Geschäftsführer, die den Vorstand bei den anfallenden Aufgaben unterstützen. Die Mitgliederversammlung trifft die grundlegenden Entscheidungen innerhalb des Arbeitgeberverbands. Dazu zählen z.B. die Wahl und Auswahl des Vorstandes oder Satzungsänderungen.

Mitgliedschaft: Tritt ein Unternehmen einem Arbeitgeberverband bei, ist dieses dazu verpflichtet, regelmäßige Beitragszahlungen abzuleisten und ausgehandelte Beschlüsse wie z.B. Tarifverträge im eigenen Betrieb umzusetzen. Im Gegenzug haben die Mitglieder das Recht, an den Beschlüssen mitzuwirken und Informationsangebote wahrzunehmen. Tritt ein Unternehmen aus dem Arbeitgeberverband aus, ist dieses dazu verpflichtet, den aktuellen Tarifvertrag weiterzuführen, bis dessen Laufzeit endet. Für Unternehmen, die sich nicht an einen Tarifvertrag binden möchten aber die Dienstleistungen des Arbeitgeberverbands wahrnehmen möchten, gilt die OT-Mitgliedschaft, d.h. die Mitgliedschaft ohne Tarifbindung. Im Gegenzug haben diese Unternehmen aber auch keine Möglichkeit bei Tarifverhandlungen mitzubestimmen.

 

Arbeitgeberverbände in Deutschland

Überfachliche Arbeitgeberverbände

Die „Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)“ ist die Dachorganisation aller Arbeitgeberverbände in Deutschland und ist zuständig für sämtliche private und gewerbliche Unternehmen. Damit zählt die BDA rund eine Million Unternehmen.

Unter dem BDA stehen die branchenübergreifenden Landesvereinigungen. Pro Bundesland gibt es eine Landesvereinigung. Insgesamt zählt Deutschland 14 Landesvereinigungen. Berlin, Brandenburg, Hamburg und Schleswig-Holstein zählen dabei eine Landesvereinigung.

Die Landesvereinigungen splitten sich wiederum in Regionalverbände auf.

Bundesfachspitzenvereinigungen

Die Bundesfachspitzenvereinigungen auf Bundesebene umfassen alle branchenspezifischen Arbeitgeberverbände auf Regional- und Landesebene. Insgesamt sind das rund 50 Arbeitgeberverbände. Zu den Branchen zählen Verkehr/Transport/Logistik, Landwirtschaft, Handwerk, Industrie, Handel, Finanzwirtschaft und Dienstleistungen.

 

Dieser Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit. Er dient unverbindlichen Informationszwecken und stellt keine Rechtsberatung im eigentlichen Sinne dar.