Gleitzeit

Gleitzeit

Gleitzeit ist ein Arbeitszeitmodell, bei dem Arbeitnehmer ihre Arbeitszeiten individuell definieren und den täglichen Start- und Endzeitpunkt innerhalb eines gegebenen Rahmens selbst festlegen können. Ziel ist es, Arbeitnehmern so mehr Gestaltungsspielraum und Flexibilität zu ermöglichen. Es gibt verschiedene Gleitzeitmodelle, die sich in ihrem Umfang hinsichtlich der Gestaltung individueller Arbeitszeiten unterscheiden. 

Gleitzeitmodelle

  1. Einfache Gleitzeit: Bei diesem Gleitzeitmodell steht die tägliche Arbeitszeit, die im Rahmen des Arbeitsvertrags vereinbart wurde, fest. Bei einem 40-Stunden-Vertrag ist der Arbeitnehmer beispielsweise verpflichtet, täglich acht Stunden zu arbeiten. Arbeitnehmer können bei diesem Arbeitszeitmodell aber individuell entscheiden, wann sie ihren Arbeitstag beginnen und entsprechend beenden können.

  2. Gleitzeit mit Kernarbeitszeit: Viele Unternehmen greifen auf das Gleitzeitmodell mit Kernarbeitszeit zurück. Bei diesem Arbeitszeitmodell gibt es einen vom Arbeitgeber festgelegten Zeitrahmen innerhalb dessen Arbeitnehmer anwesend sein müssen. Die Kernarbeitszeiten können sich von Arbeitgeber zu Arbeitgeber unterscheiden. Unternehmen versuchen ihren Mitarbeitern so mehr Flexibilität zu ermöglichen und stellen durch die Kernarbeitszeit gleichzeitig sicher, dass Projekte gemeinsam vorangebracht werden können.

  3. Qualifizierte Gleitzeit: Die qualifizierte Gleitzeit ermöglicht Arbeitnehmern maximale Flexibilität in der Arbeitszeitgestaltung. Sie können selbst über Arbeitszeitbeginn und –ende sowie über die Anzahl der täglichen Arbeitsstunden entscheiden, sind aber an die vom Arbeitgeber vertraglich vereinbarte wöchentliche, monatliche oder jährliche Gesamtarbeitszeit gebunden. Die qualifizierte Gleitzeit unterscheidet wiederum verschiedene Arbeitszeitmodelle. Dazu zählt die Gleitzeit mit Funktionszeit, das Jahresarbeitszeitkonto, das Lebensarbeitszeitkonto sowie das Ampelkonto.

Die flexiblen Arbeitszeitmodelle der qualifizierten Gleitzeit 

  1. Gleitzeit mit Funktionszeit: Die Gleitzeit mit Funktionszeit greift die Idee der Gleitzeit mit Kernarbeitszeit auf. Der Fokus bei diesem Arbeitszeitmodell liegt aber nicht auf dem einzelnen Arbeitnehmer, sondern vielmehr auf der einzelnen Fachabteilung. Bei der Gleitzeit mit Funktionszeit entscheidet demnach das Team gemeinsam, welches Mitglied oder welche Mitglieder der Abteilung die Kollegen innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens vertritt bzw. vertreten. Dabei muss sichergestellt werden, dass die Abteilung in dieser Zeit funktionsfähig bleibt. Die Gleitzeit mit Funktionszeit findet vor allem in Unternehmen und Abteilungen Anwendung, in denen einzelne Arbeitnehmer mit ihren Aufgaben durch Kollegen vertreten werden können, wie z.B. im Dienstleistungssektor. 
  2. Jahresarbeitszeitkonto: Ein weiteres Gleitzeitarbeitsmodell ist die Gleitzeit mit Jahresarbeitszeit. Bei diesem Modell wird eine individuelle jährliche Sollarbeitszeit vereinbart. Der Arbeitnehmer kann also individuell entscheiden, wieviel Arbeitsstunden er wöchentlich bzw. monatlich absolviert. Zum Ende des Jahres muss er aber auch die vertraglich geregelte Sollarbeitszeit kommen. Der Monatslohn bleibt bei diesem Arbeitszeitmodell immer gleich auch wenn sich die geleisteten Arbeitsstunden von Monat zu Monat unterscheiden. Dieses Modell ist sowohl für Vollzeit- als auch Teilzeitarbeitende anwendbar. Bei Teilzeitarbeitnehmern wird die jährliche Arbeitszeit auf das reduzierte Arbeitspensum runtergebrochen.
  3. Lebensarbeitszeitkonto: Eine erweiterte Form der Jahresarbeitszeit ist die Lebensarbeitszeit. Bei diesem Arbeitszeitmodell wird Arbeitszeit oder Arbeitsgeld über einen längeren Zeitraum angespart, um davon später zu profitieren. Überstunden, nicht wahrgenommene Urlaubstage oder z.B. Urlaubs- oder Weihnachtsgeld können über einen längeren Zeitraum zurückgelegt werden und zu einem späteren Zeitpunkt in Form eines Sabbaticals, einer verlängerten Elternzeit oder einer früheren Rente ausgezahlt werden. Diese Form des Arbeitszeitkontos muss individuell mit dem Arbeitgeber abgesprochen werden.
  4. Ampelkonto: Auch bei einem Ampelkonto genießt der Arbeitnehmer zeitliche Flexibilität. Allerdings setzt der Arbeitgeber in diesem Fall einen Rahmen fest innerhalb dessen der Arbeitnehmer eine festgelegte Anzahl an Überstunden anbauen bzw. Minusstunden machen kann. Die verschiedenen Phasen drückt der Arbeitgeber ähnlich der Logik von Verkehrsampeln aus.

    Grüne Phase: Innerhalb der grünen Phase hat der Arbeitnehmer einen Spielraum von + 20 bis - 20 Stunden im Monat. Der Arbeitnehmer kann in Absprache mit dem Team frei entscheiden, wann er die Minus- bzw. Überstunden aufwendet und muss nur freie Tage mit dem Vorgesetzten abstimmen.

    Gelbe Phase: Liegt der Arbeitnehmer zwischen 20 und 30 Plus- bzw. Minusstunden, darf er nur nach Rücksprache mit dem Vorgesetzten weitere Fehlzeiten bzw. Überstunden leisten.

    Rote Phase: Befindet sich der Arbeitnehmer in der roten Phase, liegt er mit seinem Arbeitszeitkonto bei mehr als 30 Überstunden bzw. 30 Minusstunden pro Monat. In diesem Falle muss der Ausgleich des Arbeitszeitkontos mit dem Vorgesetzten abgestimmt werden.

Was sind die Vorteile der Gleitzeit für Arbeitnehmer und Arbeitgeber?

Arbeitnehmer Arbeitgeber

Arbeitsweg: Arbeitnehmer, die morgens mit dem Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit kommen und einen längeren Arbeitsweg haben, können über eine Gleitzeitregelung verhindern, zu Hauptverkehrszeiten in den Stau zu geraten oder überlaufene Busse oder Bahnen in Anspruch nehmen zu müssen. Der Arbeitsweg wird so angenehmer und kann in den meisten Fällen schneller zurückgelegt werden.

Produktiveres und besseres Betriebsklima: Die gestiegene Flexibilität und der größere Gestaltungsspielraum wirken sich positiv auf das Betriebsklima und die Zufriedenheit von Arbeitnehmern aus. Anstatt die täglichen 8 Arbeitsstunden „abzusitzen“, kommen Arbeitnehmer bei einer Gleitzeitregelung motivierter zur Arbeit und arbeiten im besten Falle auch produktiver. Die Wertschätzung gegenüber dem Arbeitgeber steigt und langfristig kann die Mitarbeiterfluktuation so verringert werden.

Berücksichtigung des individuellen Arbeitsrhythmus: Flexible Arbeitszeiten berücksichtigen den Rhythmus jedes einzelnen Arbeitnehmers. Manche Arbeitnehmer sind Frühaufsteher und arbeiten früh morgens am produktivsten. Andere Arbeitnehmer wiederum bevorzugen morgens auszuschlafen und können spät nachmittags oder abends besser arbeiten. Durch die Berücksichtigung des individuellen Arbeitsrhythmus profitieren Unternehmen im besten Falle von einer Leistungssteigerung jedes einzelnen Angestellten.

Saisonale Anpassung der Arbeitszeiten: Gerade in saisonal abhängigen Branchen wie z.B. dem Gartenbau, macht es für Arbeitgeber Sinn, Arbeitszeiten monatsweise anzupassen. In saisonalen Hochphasen, in denen viele Aufträge generiert werden, können Arbeitnehmer ihre Minusstunden, die über die auftragsschwachen Monate aufgebaut wurden, abbauen und so zu einem gesteigerten Unternehmenserfolg beitragen.

Vereinbarung von Beruf und Familie: Familien mit einem oder mehreren Kindern haben die Flexibilität, die beruflichen Arbeitszeiten an Schul- oder Kita-Zeiten anzupassen. Gerade in Familien, in denen beide Elternteile berufstätig sind, können flexible Arbeitszeiten eine große Unterstützung im Alltag bieten.

 

Work-Life-Balance: Auch bei privaten Terminen können flexible Arbeitszeiten eine Erleichterung sein. Arzttermine oder Handwerkerleistungen können während der Arbeitszeit wahrgenommen werden und müssen nicht auf den Feierabend verlegt werden.

 

 

Was sind die Nachteile der Gleitzeit für Arbeitnehmer und Arbeitgeber?

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Gestiegene Eigenverantwortung: Ein Arbeitsvertrag mit Gleitzeit bedeutet auch gleichzeitig die Übernahme von mehr Eigenverantwortung. Denn am Ende einer Woche, eines Monats oder eines Jahres muss die Anzahl der vertraglich vereinbarten geleisteten Arbeitsstunden stimmen. Arbeitnehmer, die nicht regelmäßig ihre Arbeitszeitkonten überprüfen, drohen die Fehlstunden später nacharbeiten zu müssen.

Teamarbeit wird erschwert: Bei Arbeitsverträgen mit uneingeschränkter Gleitzeit kann Teamarbeit erschwert werden, da gemeinsame Arbeitszeiten durch individuelle Gestaltungsmöglichkeiten deutlich geringer werden und Abstimmungen so schwieriger umzusetzen sind.

Die Teamkommunikation leidet: Gerade bei Projekten, die gemeinsam im Team umgesetzt werden und bei dem Teamkollegen von der Arbeit des jeweils anderen abhängig sind, wird die Zusammenarbeit durch Gleitzeitmodelle untereinander deutlich erschwert. Unter Umständen können einzelne Projekte in Zeitverzug kommen.

Missbrauchgefährdet: Werden keine gesonderten Arbeitszeitkonten verwendet, über die die Arbeitszeiten jedes einzelnen Mitarbeiters getrackt werden, können flexible Arbeitszeiten von Arbeitnehmern schnell missbraucht werden.

 

Gefährdung des Arbeitsschutzgesetzes: Bei Arbeitnehmern, die uneingeschränkt Gleitzeit genießen, kann es vorkommen, dass Pausenzeiten nicht ausreichend eingehalten werden.